Stäblebibelwoche 2011

Freitagabend: Der Gemeindesaal in Remmingsheim füllt sich. Tische und Stühle müssen hinzugeholt werden. Es sind weit mehr Menschen gekommen als erwartet an diesem letzten Abend der Stäblebibelwoche 2011. Aber eigentlich kein Wunder: Es war ja zu einem Fest geladen worden, warum da nicht kommen? Sogar ein Fest, zu dem alle etwas beigetragen haben. Der Tisch mit den Speisen war üppig gefüllt.

Es wurde ein ganz besonderer Abend. Pfr. i.R. Schaller erläuterte und führte uns durch das jüdische Pessach-Mahl, mitsamt seinen Speisen und der Liturgie. Danach wurde das mitgebrachte (Fest)essen verzehrt. Warum aber endete eine Bibelwoche mit einem liturgischen Mahl ähnlich dem jüdischen Pessach-Mahl? Was hat das mit dem Motto der Bibelwoche „Beherzte Gemeinde“ zu tun?

Thema der Bibelwoche war, wie es gelingen kann, Gemeinden zu erneuern. Pfr. Schaller blickt auf 18 Jahre Gemeindearbeit in Tübingen zurück, in denen viele Menschen in der Jakobuskirche eine geistige Heimat fanden und eine sehr belebte Gemeinde prägten. Von diesen Erfahrungen wollte er einiges weitergeben an uns im Stäble.

„Seitdem ich mit den Konfirmanden und mit ihren Eltern das dem Pessach angelehnte Mahl feiere, kommen sie viel lieber zu unserem christlichen Abendmahl. Hier können sie erleben, woher wir Christen kommen. Dabei ist die intensive Tischgemeinschaft, die beim Pessach-Mahl entsteht, etwas, was uns allen sehr gut tut. Deshalb feiere ich das so gerne in dieser dem Pessach angelehnten Form.“ Immer wieder betonte Pfr. Schaller auch an den anderen Abenden der Bibelwoche, dass es vor allem darum gehe, Menschen mehr in Kontakt zueinander zu bringen. In Tübingen hatten sich im Laufe der Jahre zahlreiche Hauskreise gebildet, in denen viel Nähe und Austausch über christliches Leben stattgefunden habe. Hauskreise zu gründen sehe er als Antwort auf eine Zukunft, in der Kirchengemeinden vermutlich viel mehr auf sich alleine gestellt sein werden.

Es ist ihm in der Tat gelungen, uns ins Gespräch miteinander zu bringen. Nicht jeder war mit seinem Verständnis vom Abendmahl einverstanden, das so manches „gegen den Strich gebürstet“ hat. Andere formulierten eine tiefe Sehnsucht nach Veränderung und mehr gelebter christlicher Gemeinschaft im Alltag. Ob nun mehr Hauskreise die Antwort für unsere ländlichen Gemeinden sind? Es bleibt uns überlassen, wie wir mit den Veränderungen der nächsten Jahre umgehen werden. Mit weniger finanziellen Mitteln, weniger Kirchenmitgliedern und in der Folge weniger Pfarrstellen, werden wir uns als Kirchengemeinden vermutlich auf Neues einstellen müssen. Darin könnte auch eine Chance liegen. Pfr. Schaller hat gezeigt, dass grundlegende Veränderung möglich ist.  Das sollte uns Mut machen, uns auf neue, eigene, Wege einzulassen.

Regina Seitz